Für 15 Millionen saniert – Bauhaus-Juwel am Rande Grünaus glänzt wieder

Oberschule Ratzelstraße gestern offiziell übergeben / Unterricht läuft aber schon seit August 2018 (LVZ 29.01.2019)

OBM Burkhard Jung, Schulbürgermeister Thomas Fabian, Schulleiterin Christiane Brielmann mit Dunja, Niclas und Judy (linkes Foto von links) in einem Klassenzimmer der sanierten Schule in der Ratzelstraße (rechtes Foto), die 1929 im Bauhausstil entstand. Foto: André Kempner

Ein wenig Hogwarts fehlte nicht. Schüler, die sich im Deutschunterricht mit Harry Potter beschäftigt haben, bringen das magische Flair in die Aula der Oberschule in der Ratzelstraße 26. Dort wird seit August 2018 unterrichtet, fast ein halbes Schuljahr später wird das sanierte Schulgebäude in Kleinzschocher gestern offiziell übergeben. Und die Schüler freuten sich, dass Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) vorbeischaute. „Für die Kinder des Stadtteils ist es sehr wichtig, dass sie wahrgenommen werden“, betonte Schulleiterin Christiane Brielmann. Doch an der Oberschule am Rande Grünaus, die für rund 15 Millionen Euro saniert worden war, kommt ohnehin keiner mehr vorbei. Es ist ein architektonisches Juwel!
„Welche Architektur wäre für eine Schule besser geeignet als das Bauhaus: keine Schnörkel, keine Ablenkung, Konzentration auf die Funktion. Mit dieser Schule haben wir ein herausragendes Lernumfeld geschaffen, eine lebendige Bildungsstätte für den Leipziger Westen. Moderne vereint sich mit Historie“, lobte Jung. Der Freistaat Sachsen hat sich an dem Projekt mit knapp fünf Millionen Euro Fördermitteln beteiligt.
Das Gebäude blickt auf eine lange Historie zurück: Es wurde 1929 mit zwei integrierten Sporthallen errichtet und seitdem für verschiedene Schulformen genutzt. Zuletzt waren dort eine Mittelschule, danach bis 2012 ein Kant-Gymnasium-Interim beheimatet. Nun wurde der Bau nach Plänen des Architekten Jan Fitzner denkmalgerecht saniert und mit modernen Funktionen versehen. „Wir haben oft auf den Denkmalschutz geschimpft, hier bin ich froh, dass es ihn gibt“, sagte Schulbürgermeister Thomas Fabian (SPD).
Die Schule sticht tatsächlich heraus. „Die farbliche Gestaltung entspricht weitestgehend dem historischen Vorbild“, erläuterte Architekt Fitzner. Die Gebäudehülle wurde überarbeitet, wobei die historischen Fenster erhalten, etwa 850 Glasscheiben ausgetaucht und in Handarbeit mit 1,6 Kilometer Kitt befestigt wurden. Aus der Turnhalle wurde eine Schülermensa mit Ausgabeküche. Heizungs-, Elektro- sowie Sanitäranlagen wurden erneuert. Das Haus erhielt einen zweiten Rettungsweg sowie zwei Aufzüge und Rampen. Dadurch ist die Schule jetzt barrierefrei. Zur Ausstattung gehören ferner moderne Klassenräume, elektronische Tafeln, eine voll ausgestattete Lehrküche sowie Werkmaschinen im Technik- und Werkraum. In den Freianlagen wurden Pausen- und Sportflächen wie ein Fußballfeld angelegt. Nur die eigene Zweifeldsporthalle fehlt noch. Bis 2022 müssen die Schüler noch einen 20-minütigen Fußweg in eine benachbarte Halle in Kauf nehmen.
Die Oberschule Ratzelstraße ist für knapp 600 Schüler konzipiert. Weil Leipzig in Grünau künftig etliche Schulen saniert, wird sie auch als Ausweichquartier dienen. Was auffällt: An ihr unterrichten viele junge Lehrer und Seiteneinsteiger. „Die Lehrer sind hochmotiviert und machen einen Superjob“, freute sich Ralf Berger, der Präsident des Landesamtes für Schule und Bildung. Offenbar fühlen sich die ersten Klassen der Stufen 5 bis 7 schon recht wohl. Wie in Hogwarts. Nur eben ohne Hexerei.

Mathias Orbeck

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 29.01.2019

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