25 Millionen mehr für Erziehungshilfe

Etat der Stadt steigt auf 134,5 Millionen Euro (LVZ vom 02./03.11.2019)

Nicht alleinlassen will das Jugendamt Kinder, die Hilfe benötigen. Die Kosten für Hilfen zur Erziehung steigen Jahr für Jahr rasant. Quelle: Bobo/ Adobe Stock

Es blieb ihnen nicht viel übrig, es ist eine Pflichtaufgabe der Stadt: Der Stadtrat hat einstimmig bei sieben Enthaltungen die Mehrkosten von 24,69 Millionen Euro für Hilfen zur Erziehung bewilligt. Damit wurde der Etat, der für ambulante Beratungen, die stationäre Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in einer Wohngruppe oder einem Heim beziehungsweise bei einer Pflegefamilie bereitgestellt wird, für 2019 auf 134,5 Millionen Euro aufgestockt.

Wie berichtet, ist vor allem die stationäre Unterbringung in Wohngruppen teurer geworden, auch durch Tarifsteigerungen für die dort arbeitenden Fachkräfte. Die werden jetzt auch bei den freien Trägern tarifgerecht bezahlt, weil sich sonst nicht genügend Fachkräfte finden.

So hat sich zwar in vielen Leipziger Ortsteilen der Bedarf an Erziehungshilfe stabilisiert. In Teilen Grünaus, Lausen-Grünau, Schönau, Mockau-Süd, Schönefeld-Abtnaundorf, Schönefeld-Ost, Paunsdorf und Volkmarsdorf ist dieser hingegen gestiegen. Dort wohnen viele Menschen, die von materieller Armut betroffen sind.

„Wir sollten nicht vergessen, dass es um mehr als 3500 Kinderschicksale geht. Armut ist nicht nur teuer, sonder eine große Herausforderung für unsere Gesellschaft“, betonte Stefan Wehmann (Linke). Um das „Auseinanderdriften“ von Stadtteilen zu verhindern, müssten passgerechte Hilfsangebote entwickelt werden. „Wir haben gewusst, dass der Haushaltsansatz zu gering ist“, sagte Sven Morlok (FDP), der mehr Ehrlichkeit im Etat forderte.

Schon jetzt ist absehbar, dass das im Etat 2020 bewilligte Geld nicht ausreicht. Das Jugendamt ist aufgefordert, der Kostenexplosion – die übrigens keine Besonderheit Leipzigs ist – entgegenzuwirken. 300 bis 400 Kinder und Jugendliche müssen Jahr für Jahr außerhalb Leipzigs untergebracht werden. Das verteuert die Betreuung zusätzlich. „Wir müssen mehr Plätze in Leipzig schaffen – das spart Geld“, sagte Karsten Albrecht (CDU). Vor Ort könne auch die Elternarbeit besser organisiert werden. Er empfahl den Film „Systemsprenger“, der sich mit dieser Problematik beschäftigt. „Die Rückführung von Kindern in die Familien muss besser werden“, so Michael Schmidt (Grüne). Wie das funktioniert, müsse fachlich im Jugendhilfeausschuss diskutiert werden. Jugendamtschef Nicolas Tsapos hat bereits angekündigt, künftig ein stärkeres Augenmerk auf Elternarbeit zu legen.

Mathias Orbeck

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 02./03.11.2019

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