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27,5 Mio. EUR für Digitalisierung von Schulen

Interaktive Tafeln, Computer, Laptops und Beamer – so will Leipzig bis 2024 die Mittel des Bund-Länder-Pakts ausgeben (LVZ vom 08.01.2020)

Digitales Klassenzimmer: Christoph Schultz, Burkhard Jung, Thomas Fabian, Nicolas Tsapos und Mario Loos (von links) vor einer interaktiven Schultafel. Foto: André Kempner

Früher, als Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) selbst noch als Lehrer arbeitete, habe er gern mit weißer Kreide auf eine grüne Tafel geschrieben. Auch Schulbürgermeister Thomas Fabian (SPD) benutzte in seiner Zeit als Fachhochschullehrer „immer Tafel und Kreide – Lernen braucht Zeit“, so der habilitierte Psychologe.

Das Stadtoberhaupt und der Beigeordnete erzählten gestern in der Gerda-Taro-Schule von ihrer nostalgischen Vorliebe. Dabei ging es bei dem Pressetermin in gewisser Weise um das glatte Gegenteil: Im großangelegten „Digitalpakt Schule“, in dem Bund und Länder bis 2024 mit
insgesamt 5,5 Milliarden Euro bundesweit die Digitalisierung der Schulen vorantreiben wollen, erhält die Stadt Leipzig rund 27,5 Millionen Euro. Sie weiß bereits, wofür sie das Geld ausgeben will.

Für 2,7 Millionen Euro davon – plus rund zwei Millionen aus Eigenmitteln – möchte man beispielsweise 678 interaktive Tafelsysteme kaufen. Im Grunde handelt es sich dabei um riesige Tablet-Computer, die man an der Wand hoch- und runterschieben kann. Mit weißer Kreide sollte lieber kein Lehrer darauf kritzeln. „Auch nicht mit dem nassen Schwamm drüberwischen“, empfiehlt Mario Loos, der Leiter des Medienpädagogischen Zentrums im Leipziger Jugendamt. „Trotzdem“, sagt Mathe- und Informatiklehrer Christoph Schultz, „ist das für mich eins zu eins eine Kreidetafel – und mehr“.

Denn mit einem Digitalstift lässt sich der Bildschirm sehr wohl beschreiben. Mit dem Vorteil, dass das Tafelbild nach Unterrichtsschluss in den Speicher wandert und am nächsten Tag mit einem Wisch wieder da ist. Auch Bilder, Videos, Tabellen können die Lehrer abrufen. Für insgesamt rund 16,5 Millionen Euro sollen die Leipziger Schulen überdies 7400 stationäre Computer, 2300 Laptops, 6900 Tablets und
1700 Beamer erhalten – jedoch ausdrücklich keine Smartphones.

Die Ausstattung zu kaufen, ist allerdings erst ein späterer Schritt. Zunächst müssen alle städtischen Schulen – und bei Bedarf auf eigene Faust auch die Schulen freier Träger – eigene „Medienbildungskonzepte“ erstellen: was jeweils benötigt wird und mit welchen Lernzielen. Das Amt für Jugend, Familie und Bildung koordiniert die Antragstellung. Für Lehrer Schultz geht es darum, „die Schüler mündig fürs Leben zu machen. Sie finden diese Technik überall. Warum nicht auch im Klassenzimmer?“ Wenn es nach Bürgermeister Fabian geht, spielt dabei „die Vermittlung von Medienkompetenz“ eine große Rolle. „Vielleicht“, gibt sein Chef Jung zu bedenken, „müssen wir auch digitalfreie Inseln schaffen, um den Schülern eine Pause vom Digitalen zu geben, das zum Suchtmittel werden kann“.

Bis Ende Juni müssen die Medienbildungskonzepte fertig sein. Bis 2023 sollen rund elf Millionen Euro in die Infrastruktur fließen: in Datenkabel, WLAN und alles, was dazugehört. Die Gerda-Taro-Schule, die ihren jetzigen Standort vor zweieinhalb Jahren bezog, ist in der Hinsicht auf aktuellem Stand. Doch an zwei Dritteln der Leipziger Schulen fehle WLAN bislang komplett, so Jugendamtsleiter Nicolas Tsapos. An 96 der 171 städtischen Schulen sei ein Ausbau des LAN-Netzes geplant.

Sachsenweit sind zudem etwa 25 Millionen Euro für die Lehrerfortbildung vorgesehen. Die Details arbeitet das sächsische Kultusministerium aus. Bis Ende 2024 muss alles Geld vollständig ausgegeben sein, der „Digitalpakt Schule“ endet dann. Ob an den Kommunen danach neben der Wartung der Geräte zudem die weitere Modernisierung hängen bleiben wird, ist noch nicht geklärt.

Mathias Wöbking

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 08.01.2020

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